18. Tag von Rybatschi nach Klaipeda ( 77 km )

Frühstück gab es heute erst ab 9:00 Uhr, so konnten wir etwas länger schlafen. Um halb acht schien die Sonne so schön, dass ich am hoteleigenen Strand zum Schwimmen ins Kurische Haff ging. Nach dem sehr reichhaltigen Frühstück kamen wir leider später los als gewollt. Bis 12 Uhr nach Nida zu kommen, um dort eventuell Detlef Kaden, den Autor des Europaradweg R1 , zu treffen, schien sehr knapp. Bis zur Grenze nach Litauen wurden wir schräg von hinten „geschoben“, also beste Voraussetzungen für high noon in Nida. An der Grenze dauerte es insgesamt eine halbe Stunde, bis wir on the road again waren, obwohl ausser uns nur noch 2 Autos warteten, eins vor und eins hinter uns! Der russische Zöllner wollte uns eigentlich gleich zur Passkontrolle durchwinken, aber sein „KGB“-Kollege gab ihm Zeichen, unsere Taschen zu kontrollieren. Sichtlich genervt bat er uns, die Taschen zu öffnen. Rainer hatte gerade sein Gummi gelöst, ich immerhin schon den Blick auf eine Plastiktüte freigegeben, da winkte er uns weiter. Und nun gab es Radfahrerfreude pur.

Version 2

Auf breiten, glatt asphaltierten Wegen kamen wir schnell in Nida an, allerdings erst um 12:30 Uhr. Schade für die Begegnung! Das erste, was uns auffiel, waren die Radfahrstreifen an der Seite der Fahrbahn und die vielen Fahrradverleih-Stationen. Am Hafen gönnten wir uns einen Kakao mit Blick auf die Schiffe und die dahinter sich erstreckenden Dünen.

20170608_122719

Kakao in Nida

Ungefähr 5 km führte der Fahrradweg direkt am Wasser durch die Stadt, vorbei an Häusern, die uns sehr an Skandinavien erinnerten. Immer weiter über die Nehrung auf einem für uns kaum fassbaren breiten asphaltierten Radweg durch die Kiefern- und Birkenwälder.

20170608_140608

lichtdurchfluteter Wald

Das Atmen der frischen Luft und die durch die Wälder schimmernden Dünen, die sich links rechts von uns auftürmten, sowie gelegentlich auch der freie Blick auf’s Haff lösten richtige Glücksgefühle bei uns aus! Den Blick angestrengt nach links und rechts richtend – und häufig natürlich auch geradeaus auf den Weg! – , hofften wir vergeblich, einen Elch oder wenigstens Wildschweine zu entdecken. Immerhin reichte unsere Aufmerksamkeit, einen mit seinem Fahrrad am Rande stehend und etwas verzweifelt dreinschauenden jungen Mann zu fragen : „Do you need help?“  Ja, der junge deutsche Erasmus-Student aus Vilnius, der mit einer deutsch-französischen Gruppe auf geliehenen Fahrrädern unterweg war, brauchte Hilfe in Form von Rainers Werkzeug. Seine Kette hatte sich derartig zwischen 2 Ritzeln engeklemmt, dass es einige Zeit dauerte, sie mit Zange und Schraubenzieher wieder zu richten. Die Gruppe war schon weit voraus. Der phantastische Radweg führte vorbei an einer Möglichkeit, die ‚Toten Dünen‘ anzusehen. Die 3/4 Stunde Unterbrechung hat sich gelohnt – zumindest für Rainer.

20170608_152224

Soweit die Füsse tragen

Ich blieb bei den Fahrrädern, während Rainer sich auf den Weg zur Düne und hinauf machte. Die Fotos werden auch mir einen Eindruck vermitteln. Ich hatte noch anderes vor. Im Fahrradführer hatte ich gelesen, dass es auf dem weiteren Weg eine Stelle gäbe, an der man auch mit Fahrrädern die Dünen überwinden kann, um in der Ostsee zu baden. Und die Stelle kam. Fahrräder den Bretterweg hochgeschoben, den schier unendlich erscheinenden Ostseestrand nach rechts und links bestaunt, die paar Stufen zum Wasser runter, Klamotten aus und nackt ab in die Brandung! War das ein Traum! Weit und breit keine Menschenseele! So habe ich heute bei herrlichstem Wetter einmal im Haff und einmal in der Ostsee gebadet – der helle Wahnsinn! Am Ende der Nehrung unterhielten wir uns auf de Fähre nach Klaipeda mit zwei Frauen aus Berlin, die gerade ihre Radtour von Tallin nach Klaipeda beendeten und bekamen noch einige Tipps. Wir fanden die ausgesuchte Unterkunft wegen der nun tatsächlich „verlorenen“ Stunde ziemlich spät, deshalb hat es leider auch hier mit dem Treffen nicht geklappt. Abendessen am Fluss, Gang durch die Altstadt – es war ein toller Tag!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s