20. Tag von Liepaja nach Edole ( 107 km )

Schade, dass dieses schöne alte Haus mit viel verbautem Holz und einem beeindruckenden Kellergewölbe ( alte Holzbalken, Natursteinwände und Pflastersteinfussboden) so „verkommen“ ist. Wir haben gut geschlafen, ohne dass jemand auf dem Balkon vor unserem Fenster, mit Zugang noch von einem anderen Zimmer und vom Flur hat, die dort stehenden Aschenbecher benutzte! Aus dem Kellergewölbe, wo geraucht werden durfte, zog der Zigarettenrauch durch’s ganze Haus. Da das Internet nur im Gastraum funktionierte, waren wir froh, dass dort nicht geraucht werden durfte. Die „Dusche“ mit abgeklemmtem Schlauch war grenzwertig. Rainer hatte kaum Platz in dem Raum. Dafür fanden wir den Preis eigentlich zu hoch. Aber der junge Besitzer war sehr freundlich und hilfsbereit. Der Weg aus der Stadt war schnell gefunden. Von Detlef Kaden hatten wir per mail noch die Information erhalten, dass nach ca. 10 km eine sehr schlechte Wegstrecke beginnen würde. Wir suchten ab der genannten Stelle den kürzesten Weg zur Hauptstrasse, der aber auch erst einmal über holprige Schotterpiste führte. Nachdem meine Kette 2x abgesprungen war, stellte Rainer sie fester, und der Weg verlief auf’s Fahrrad bezogen störungsfrei. An einer Gabelung wählten wir den vermeintlich ebeneren Weg, der auch in Richtung Hauptstrasse verlief – aber Pustekuchen! Nach einem Kilometer endete er in sumpfigem Gebiet. Also den km wieder zurück. An der Hauptstrasse brausten heute eine Menge Autos an uns vorbei. Wir hatten alle verfügbaren blinkenden und leuchtenden Utensilien an uns und unseren Rädern angebracht und schienen wirklich gut wahrgenommen und respektiert zu werden. Auf unserer Karte tauchten ab und zu Ortsnamen auf, aber einen Kaffee und etwas zu beissen bekamen wir nirgends. In einem kleinen Geschäft direkt an der Hauptstrasse fragte ich nach Kaffee, auf Englisch. Die ältere Frau gab mir zu verstehen, dass sie weder Englisch, noch Russisch, noch Polnisch, noch Türkisch verstehe !!! Kaffee gab es leider nicht. In einer etwas netteren Umgebung wenig später verzehrten wir unseren Notapfel und Schokolade. So haben wir heute tatsächlich erst nach 50 km Kaffee, leckere kalte Suppe und Kuchen genossen. Für heute auf gerader Strecke mit manchmal leichtem Gegenwind ( wie schon gestern ) hatten wir uns wieder für ein paar km mehr entschieden, damit wir die kommenden beiden Tage mit den anstehenden Steigungen zeitlich entspannter angehen können. Wir suchten die Touri-Info auf und baten um Hilfe bei der Unterkunftssuche. Im Euroradweg-Führer hatten wir eine für uns passend erscheinende Bleibe gefunden. Die junge Touri-Info-Dame war ausgesprochen freundlich und wollte gerne helfen. Ein Anruf bei der angegebenen Nummer war ernüchternd: die angegebene Nummer gab es, aber die damit verbundene Unterkunft in dem von uns ausgesuchten Ort Alsunga nicht. Sie gehörte zu einem Campinplatz mit Hütten ( hätten wir gemacht) , der allerdings lag ca. 17 km nördlich unserer Route. Mehrere Anrufe wurden noch getätigt, aber wegen einer Veranstaltung in Alsunga gab es nur Absagen. Die junge Dame suchte weiter. 9 km hinter Alsunga gäbe es ein Schloss, da habe sie mal gearbeitet. Wenn wir uns also noch weitere gut 50 km zutrauten, würde sie dort anrufen. Klar, warum nicht mal wieder 100 km! Keine Entgegennahme des Anrufs, Suche im Internet, Buchung eines Zimmers für 40 € über ihren account . Wir waren total dankbar. Zwischen 18 und 19 Uhr sollten wir ankommen. Inwischen gab es einige Wolken und es war nicht mehr ganz so heiss. Hier am Meer wehte auch wieder die geliebte frische Brise. Einige Zeit verlief unser Weg noch in Ostseenähe, dann bog die Route ab, denn unser Weg nach Riga geht nicht an der Küste weiter, sondern durch das Landesinnere. Auf der ganzen Tour heute begegneten uns viele Störche, zu zweit, zu dritt oder viert über uns in der Luft kreisend, auf den Wiesen und Feldern auf Nahrungssuche oder im Nest klappernd und Junge fütternd. Einmal hielt Rainer beunruhigt an, weil schon wieder etwas an seinem Rad klappern würde. Haha, es war der Storch schräg über uns. Seit wir ins Landesinnere abgebogen waren, drohten etwas entfernt dunkle Gewitterwolken. Es war nicht ganz klar, welche Richtung sie nehmen würden. In Alsunga überlegten wir noch, das Gewitter abzuwarten, machten uns aber doch auf die letzten 9 km. Bedrohlich wirkte der schwarze Himmel rechts von uns, man sah die sich entladenden Regenwolken. Als dann das erste Donnern zu hören und Blitze zu sehen waren, traten wir noch schneller in die Pedalen. Etwas mühsam, da wir die ersten Steigungen der eigentlich für morgen vorgesehenen Strecke erreicht hatten. Das Gewitter blieb immer so 3 bis 5 km entfernt ( haben wir ja mal gelernt, das auszuzählen!), so erwischten uns 1 km vorm Ziel nur noch ein paar heftige Regentropfen. Ansonsten war das Gewitter an uns vorbei gezogen. Und jetzt der Hammer: die Unterkunft. In einem alten Schloss, das zur Hälfte Museum und zur Hälfte Hotel ist, waren wir angemeldet und wurden trotz des eher vornehm wirkenden Ambientes sehr gastfreundlich empfangen mit unseren jetzt etwas angenässten Klamotten.

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Gäste im Schloss

Tolles Zimmer, reichhaltiges gutes Essen für kleines Geld mit Sekt zum Anstossen auf den Geburtstag unserer kleinen Enkelin Matilda in Hamburg. Dafür haben sich die 9 km mehr als geplant gelohnt.

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