22. Tag von Tukums nach Riga ( 74 km )

Beim Frühstück im urigen Kellergewölbe unserer Unterkunft in Tukums kamen wir mit einem älteren ( noch älter als wir!) deutschen Ehepaar ins Gespräch. Der Mann war in Riga geboren, dann mit der Familie nach Tukums gezogen und hatte 1939 das Baltikum verlassen. Er berichtete von seiner Spurensuche und den Kontakten, die seit einigen Jahren mit Tukums wieder bestehen würden und der gemeinsamen Rekonstruktion der Geschichte. Wir hätten gerne noch länger den interessanten Erzählungen zugehört, aber unsere nächste Etappe stand an. Es hatte nachts wieder geregnet, beim Aufbruch war der Himmel zwar grau-bunt, aber es fielen keine Regentropfen mehr. Also Regenzeug in Griffbereitschaft, aber nicht angezogen. Ungefähr 15 km verlief die hervorragend asphaltierte Strasse kurvenreich und wellenförmig. Vor einem eisamen Hof zog ein Mann seine Mütze und winkte uns zu. Nicht atemberaubend, sondern atemspendend war die Fahrt durch die Felder und Wälder. Auf den sattgrünen Seitenstreifen vor den Bäumen breiteten sich Maiglöckchen in dichtem Bewuchs aus. Sie fingen gerade erst an zu blühen. Und wir staunten über die Teppiche von Blaubeersträuchern, die sich unter den hohen Kiefern und Fichten der Wälder kilometerweit entlangzogen. Von Zeit zu Zeit waren riesige Haufen von Zweigen und totem Holz der Bäume aufgetürmt. Das gab einen intensiven Duft. Nun hatten wir wieder die Ostsee erreicht. Wie im Radführer beschrieben, gab es hinter dem Waldstreifen an der Strasse ca. 5 km herrlichen Badestrand, an dem gar nichts los war. An einer Holzplattenfurt zum Strand schoben wir unsere Fahrräder bis zum Ende der Walddünen. Dann kam der bekannte Ablauf: Klamotten aus und nackend ab in die Ostsee – dieses Mal leider ohne Brandung, da Landwind herrschte. Wunderbar wohltuend! Beim Ankleiden begann es schon ein wenig zu tröpfeln, aber erst, als wir eine Zeit lang gefahren waren, entschieden wir uns wegen der zunehmenden dunklen Wolken für Regenzeug. Das war gut so, denn ab jetzt sollte es 2 Stunden lang ausdauernd und zum Teil kräftig regnen. Die riesigen alten Holzvillen, mal frisch renoviert, mal in recht schäbigem Zustand, sowie die zwischendrin neuen Prunkbauten in Jurmela Rigastrand hätten wir ohne Regen vielleicht fotografiert, um die Kontraste zu verdeutlichen. In der Mitte des Ortes fanden wir ein Cafe-Restaurant, bei dem unsere Räder überdacht und von uns aus dem Innenraum gut zu sehen stehen konnten. Da es sich ambot, nutzten wir die Gelegenheit zu eine eher kräftigen Mahlzeit. Zwei deutsche Ehepaare am Nebentisch, die uns beobachtet hatten, als wir, aus dem Regen kommend, absattelten, „bewunderten“  uns, fragten nach der weiteren Strecke und erzählten von ihrer bereits vierten Baltikums-Reise.  Gestärkt ging’s weiter gen Riga, immer auf dem manchmal auch versteckt ausgeschilderten Radweg. Erst kurz vor dem Innenstadtbereich mussten wir nach dem richtigen Weg fragen. Die Fahrt über die Brücke mit Blick auf die vielen Türme und das Schloss der Stadt war schon beeindruckend. In der Touri-Info bekamen wir dieses Mal leider nicht die gewünschte Hilfe, z. B. “ Wenn Sie unser Telefon benutzen wollen, kostet das 2€ , wenn wir für Sie in einer Unterkunft anrufen 3 € !“ Wir entschieden uns dann mal wieder, das in dem Radführer vorgeschlagene einfache Hotel einen guten km von der Innenstadt entfernt aufzusuchen. Und wir hatten Erfolg. Zwei Nächte werden wir hier verbringen, zu einem unglaublich günstigen Preis. Die Fahrräder sind gut untergebracht, und wir machten uns noch am Abend auf den Weg in die Innenstadt. Dabei haben wir zu Fuss schon allerhand interessante Ecken erkundet. Unser Weg führte an den alten Speicherhäusern und dem Zentralmarkt vorbei. Die Hallen wurden für heute zwar gerade geschlossen, aber davor, daneben und dahinter war noch reges Treiben. Am Bahnhof vorbei in der Altstadt angekommen, schlenderten wir bei Sonnenschein durch die Strassen, bestaunten die “ eng eingebauten “ Kirchen und suchten nach einem Esslokal mit regionaler Küche. Die gibt es hier jede Menge. Allerdings gingen uns die zwar sehr freundlichen, aber doch von uns als aufdringlich empfundenen „Restaurant-Lockvögel“ ziemlich auf die Nerven. Das Ende vom Lied : wir landeten in einem Cafe mit wunderbarem Kuchen. Kräftig hatten wir immerhin schon heute Mittag gegessen! Direkt nebenan trafen wir das junge Womo- Paar mit Matilda und Hund wieder, das wir auf der Kurischen Nehrung bei den Toten Dünen getroffen hatten. Die letzten Sonnenstrahlen liessen wir uns bei einem Bier und Life-Musik ins Gesicht scheinen.

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Abendsonne mit Bier und Lifemusik

Noch immer hell , machten wir uns auf den Weg am Fluss entlang zu unserer Unterkunft.

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