24. Tag von Riga nach Ligatne ( 98 km incl. „Ausflüge“ )

Ich habe das erste Mal gefroren! Nachts hatte es weiter geregnet und schwer gestürmt, die Luft war kühl geworden. Meine dünne Decke wärmte nicht genug. Ich wachte mehrmals fröstelnd auf und zog mir jedes Mal noch etwas mehr an! Am Morgen haben wir uns erst einmal für Regenzeug entschieden. Da unsere Unterkunft günstig für die Weiterfahrt lag, war der Weg schnell gefunden. Und wieder wurde uns mit Daumen hoch eine gute Reise gewünscht, von einem jungen Mann mit seinem Sohn. Nach ca. 6 km hatten Rainer und ich zeitgleich eine gute Idee: etwas zurück an der Strasse gelegen, entdeckten wir eine einladend aussehende Bäckerei. Das war genau das Plätzchen und die Zeit für ein genüssliches Frühstück mit Blick auf die Räder. Unsere weitere Strecke würde nämlich über viele km an nur kleinen Orten vorbeiführen. Wir waren uns nach bisherigen Erfahrungen nicht sicher, dann eine Frühstücksmöglichkeit zu finden, und 40 km wollten wir nicht wieder warten! Neben Torten, verschiedenen süssen Küchlein und Keksen gab es eine grosse Auswahl an „russischen pierogschis“ mit den unterschiedlichsten Füllungen, alle frisch gebacken und noch warm. Dazu einen grossen Kaffee und als „Nachtisch“ einen warmen Rhabarber-Kuchen – das Frühstück war perfekt! Die Regenklamotten waren überflüssig, weil inzwischen die Sonne schien. Es wehte immer noch ein strammer Wind, der zunächst nicht so schlimm war, denn er kam aus NW und blies nur teilweise gegen uns. Als sich unsere Fahrtrichtung etwas änderte, war er in Böen so stark, dass wir über lange Strecken nur 8 bis 10 km/h fahren konnten. Gegenwind ist wirklich schlimmer als Steigungen! Bevor wir wieder auf die grössere Strasse kamen, entschlossen wir uns zu einem Picknick. Die Bank mit Tisch am Waldesrand lud zum kurzen Verweilen ein. Eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern kam von der anderen Seite, und jetzt bemerkten wir, dass wir wohl auf Privatgelände geraten waren. Meine Frage diesbezüglich wurde auf Englisch bejaht. Freundlich lächelnd lud er uns aber zum Platznehmen ein. Der etwa 4 jährige Sohn setzte sich zu uns und erzählte allerhand. Es störte ihn überhaupt nicht, dass wir uns in einer fremden Sprache mit ihm unterhielten. Zum Dank gab’s für ihn und seinen kleinen Bruder einen Häkel-Schmetterling, den er freudestrahlend seinem Vater zeigte. In Sigulda angekommen fanden wir auf Anhieb die im Radführer erwähnten Bäckereien, die auch kräftige Gerichte und viele Salate anbieten. Gut gestärkt trauten wir uns trotz der noch anstehenden Steigungen und schlechter Wegstrecke einen Abstecher zur mittelalterlichen Burganlage zu. Auf dem Weg dorthin trafen wir eine deutsche Familie, die in Stockholm lebt, mit Fahrrad und Zelt unterwegs. Sie gaben uns über den Weg Auskunft, denn sie kamen gerade von dort. Wir haben uns wohl missverstanden. Nachdem wir einen guten Kilometer bei einer Steigung von 11% den Berg runtergedüst waren, stellten wir fest, dass dies nicht der richtige Weg sein konnte. Also den Kilometer bei 11% jetzt wieder hoch! „Wer sein Rad liebt, schiebt!“ Irgendwie machen wir immer „besondere“ Exkurse! Jetzt sahen wir auch zwischen den Bäumen unser eigentliches Ziel, fanden den richtigen Weg, bewunderten die Burganlage und waren der asiatischen Reisegruppe ein ebenso wichtiges Fotomotiv wie die geschichtsträchtigen Bauten. Wir wollten unbedingt noch einige Kilometer fahren, damit wir auf der jetzt folgenden schlechten, bzw. unbefestigten und mit unangenehmen Steigungen bespickten Strasse schon etwas hinter uns haben. Morgen gibt’s dann mehr davon. Mal wieder gab es um uns herum sich zuziehende dunkle Wolken, die sich aber auch wieder an anderer Stelle abregneten. In Ligatne , einem historischen 1000-Seelen-Dorf im Gaujas Nationalpark, bekamen wir im Touri-Büro prompt eine Unterkunft angeboten. 110 Stufen erklomm eine der Touri-Damen mit mir, um mich dann durch eine kleine alte Holzreihenhaussiedlung vom Ende des 19. Jahrhunderts zu führen, vorbei an den Toilettenhäusschen, die heute nicht mehr diese Funktion haben. In einem solchen 1 -Zimmer – Reihenhaus mit Küche, Klo und Duschbad werden wir also heute übernachten.

20170614_184852

Unsere Unterkunft

Die Fahrräder dürfen in der Küche parken! Die Reihenhäuser wurden damals gebaut für die Arbeiter der Papierfabrik von Ligatne.

Radtour2

Ligatne: Arbeiterreihenhäuser, Toilettenhäuschen, Papierfabrik, Kulturhaus

Advertisements

Ein Kommentar zu “24. Tag von Riga nach Ligatne ( 98 km incl. „Ausflüge“ )

  1. Eigentlich hättet Ihr Euch in Sigulda auch noch die zweite große Attraktion angucken müssen…die weltberühmte Bobbahn… 😉
    Naja, im Sommer vielleicht nicht ganz so attraktiv! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s