28. Tag von Rouge nach Räpina ( 99 km )

Heute wollten wir auf jeden Fall früh starten, damit bei den zu erwartenden Steigungen die Sonne noch nicht so hoch stehen würde. Glücklich für uns, dass in dem Guesthouse von den 3 Zimmern unserer Einheit nur unseres belegt war und wir dadurch das Bad für uns alleine hatten. Nach dem guten Frühstück kamen wir tatsächlich um kurz nach 8 Uhr los. Gleich vor der Tür begann die Tour mit 6% Steigung. Über 10 km zog sich der letzte Teil des Anstiegs zum höchsten Punkt des Radweges nach St. Petersburg hin. Wir hatten gestern schon einiges an Höhe geschafft, so waren wir angenehm überrascht, dass wir heute Morgen bei gütigem verschleierwolkten Sonnenschein schneller als erwartet Haanja auf 270 m Höhe erreichten.

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SKI-BUS-HALTESTELLE

Deshalb entschieden wir uns für das verrückte Unterfangen, nun auch noch einen Abstecher zum 318 m hohen Gipfel zu wagen – und das Fahrrad natürlich mitzunehmen! Auf dem steilen Anstieg, der leider auch 8 Treppenstufen hat, kam Autan zum gnadenlosen Einsatz. So heftig wurden wir selbst in den polnischen Wäldern nicht „angegriffen“! Nun standen wir vor dem Aussichtsturm :

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Gipfelstürmer

Öffnungszeit 10 – …Uhr. Menschenleer um diese Zeit, turnte ein Müllbeutel einsammelnder junger Mann den steilen Weg hoch. Er nutzte seine Arbeit wohl gleich als Fitness-Programm. Wir bedeuteten ihm unseren Frust über den geschlossenen Turm und dass wir nicht über eine halbe Stunde auf die Öffnung warten wollten, da wir ja heute noch bis Räpina geplant hätten. Er bestaunte unsere Fahrräder, schaute uns überlegend an und verschwand hinter der Tür des Turmes. Mit Besen und Schaufel in der Hand öffnete er die Tür, gab uns zu verstehen, dass er jetzt soundso auf den Turm müsse, um die letzten Stufen und die Aussichtsplattform zu fegen, da könnten wir auch mitkommen! Geschwind zauberte er noch ein Fernglas hervor, nahm das Eintrittsgeld entgegen und fuhr mit uns den Lift hoch! Haben wir mal wieder Glück gehabt!!!. Das war ein atemberaubender Blick vom Gipfel des höchsten Berges des Baltikums über die seen- und waldreiche Landschaft rundherum! Überdankbar verabschiedeten wir uns englisch-deutsch von dem jungen Mann, der uns für den „Abstieg“ vom Gipfel den treppenlosen Wirtschaftsweg zeigte. Der war zwar auch so steil, dass wir lieber bremsend schoben als fuhren, aber entschieden angenehmer. Der im Radführer angekündigte 10 km lange Schotterweg kam wechselhaft unangenehm bis gut befahrbar. Danach haben wir den Satz :“ Nur selten von Steigungen unterbrochen, geht es überwiegend bergab.“ wohl nicht richtig verstanden. Wir jedenfalls fühlten uns durch die noch anfallenden Steigungen mit bis zu 12% trotz der Abfahrten zwischendurch weitaus angestrengter als auf den 10 km hoch nach Haanja! Vielleicht war es auch die Psychologie : im ersten Teil waren wir auf Anstrengung eingestellt, im zeiten Teil freuten wir uns, das „Schlimmste“ geschafft zu haben. Aber irgendwann ging es tatsächlich über lange Strecken eben oder bergab. In Vastseliina gerieten wir mitten in einen riesigen Jahrmarkt, der die ganze Stadt durchzog. Wir schoben also durch die Stassen und nutzten die Gelegenheit, an einer der vielen Essbuden leckere gegrillte Schaschlik und Wurst für unser Mittagessen am Biertisch zu erwerben. Noch war es sehr heiss, aber im weiteren Verlauf unserer Fahrt bewölkte sich der Himmel mehr und mehr, die Sonne kam nur noch selten hervor – zum Fahren angenehm! Nach 99 km erreichten wir Räpina. Die Ferienanlage bei Vööpsu, kurz vor Räpina, hatten wir nicht gefunden, die Touri-Info in Räpina wurde vor einer halben Stunde geschlossen, unter der angegebenen Telefonnummer für die Ferienwohnung sagte man uns auf Englisch, dass die Wohnung heute geschlossen und erst ab morgen wieder im Angebot wäre. Es blieb uns nur das einzige Hotel in Räpina, wenn wir nicht noch ca. 15 km weiter fahren wollten. Wollten wir nicht!

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