29.Tag von Räpina nach Tartu ( 72 km )

Am Abend hatte ich absolut keine Lust mehr zu schreiben, deshalb dieser Tag mit etwas Verspätung!  Das erste Mal auf unserer Tour war es mir morgens vorm Weiterfahren so gegangen, dass ich dachte:‘ Jetzt würde ich gerne schon in St. Petersburg sein!‘ Nach einem mässigen Frühstück im Hotel, bestiegen wir bei locker bedecktem Himmel die Räder. Noch einmal zurück in die Stadt, da das Hotel schon am Ende des Ortes lag, um uns mit Wssser zu versorgen, fühlten wir unseren Eindruck vom Abend bestätigt. Räpina strahlte mit seinen breiten Strassen und Fuss-/Radwegen Gemütlichkeit aus. Viele schön hergerichtete Häuser, aber auch die in nicht so gutem Zustand hatten ihren Charme. Das war uns auf der Fahrt durch Estland häufiger aufgefallen. Mit einem letzten Blick auf Kirche und Schloss hatte uns der R 1 wieder.  Es sollte der Tag des Gegenwindes werden!  Bis auf diesen Umstand war der Weg wenig spektakulär. Meist entlang mässig bis viel befahrener Landstrassen gab es lange ebene Passagen, dann aber auch einige langgezogene Steigungen und Abfahrten, die eigentlich nur wegen des Gegenwindes nervten. Wir spürten den vorigen „heftigen“ Tag , an dem wir einige Kraft gelassen hatten. Immer wieder begleiteten uns fliegende und eifrig ihre Jungen fütternden Störche. Und wir sahen Elche —

allerdings nur so :20170619_114143

 

 

 

 

 

 

Auch Kirchen in unterschiedlichster Bauweise gab es in jedem Dorf zu sehen.

20170619_125858

auch am Wegesrand

Der Himmel blieb abwechslungsreich bewölkt mit heissen sonnigen Phasen und Regentropfen, die aber noch nicht reif für Regenzeug waren. Durch noble Vororte Tartus führte der R1 nun, in denen schmucke neue Villen, Einzel- und Reihenhäuser  entstanden. Kurz vor der Stadt , in die wir auf einem breiten Radweg geführt wurden, sprang ein junger Mann aus seinem angehaltenen Auto auf den Radweg, bedeutete uns anzuhalten und legte auf Englisch los : Er hiesse Priit ( dabei streckte er seine Hand zur Begrüssung entgegen), wäre auch begeisterter Radfahrer und müsse nun von uns wissen, woher wir kommen, wohin wir wollten und wie es uns ergangen wäre. Kurz berichtet erzählter er, dass er für 2018 eine Radtour von Tartu nach Berlin planen würde. Ob wir vorhätten, länger in Tartu zu bleiben ( wir haben tatsächlich 3 Nächte gebucht ), weil er uns unbedingt zum Grillen einladen wolle! Schnell waren Handynummern und email-Adressen ausgetauscht, damit wir am nächsten Tag in Verbindung treten könnten. Dann umarmte er uns zum Abschied spontan mit den Worten: „Sorry, but I am a hugger!“ und musste noch schnell loswerden, welche beiden Lokale wir unbedingt aufsuchen müssten : das Cafe ‚Werner‘ und den ‚gunpowder-cellar‘ ,  Na, wir sind gespannt und werden berichten, ob aus dem Treffen etwas geworden ist. In Tartus Innenstadt angekommen, fanden wir schnell unser „Design-Hostel“ in der Nähe des Bahnhofs. Preiswert gut untergebracht erfuhren wir von der Möglichkeit, eine Waschmaschine und Trockner für 3€ zu beutzen. Also eine Ladung Wäsche für die grosse Miele! zusammengestellt, dabei noch einmal aussortiert für ein Päckchen nach Hause, und erst einmal sehr glücklich und zufrieden machten wir uns auf den Weg zur Touri-Info. Kurz nach unserer Ankunft ( wir sattelten gerade ab, um die Fahrräder in den Keller zu bringen ) ging ein kräftiger Platzregen nieder. Wieder mal Glück gehabt! Dann kam aber auch schon wieder die Sonne hervor. Wir nahmen sichheitshalber die Regenjacken mit, die wir den ganzen Abend nicht brauchen sollten, und genossen den Weg zum Rathausplatz quer durch unterschiedliche Strassen, vorbei an geschichtlich-kulturellen Bauwerken und kräftig grünen Parkanlagen. Uns gefiel auf Anhieb, was wir auf diesen 1500 Metern zu sehen bekamen. Je mehr wir uns dem Rathausplatz näherten, desto mehr Menschen begegneten uns, die grosse bunte Blumensträusse mit sich trugen. Vor dem monumentalen Universitätsgebäude gab es eine grössere Ansammlung dieser so ausgestatteten und festlich bunt gekleideten vor allem jüngerer Menschen. Natürlich waren wir neugierig und erhielten auf unsere Frage die strahlende Auskunft, dass heute ‚graduation-day‘ wäre. Da sind wir also in eine ganz besondere Stimmung geraten! In der Touri-Info erhielten wir ausserordentlich hilfsbereit Daten und Preise über Zugverbindungen nach Tallin für Mittwoch, und – der wichtigste Teil dieses Info-Besuches! – Hilfe bei der Unterkunftssuche für die nächsten beiden Nächte nach Tartu. Dann herrscht nämlich „Ausnahmezustand“ in Estland. Der 23. Juni ist nationaler Feiertag, und es wird das ganze Wochenende ‚Befreiung und Sonnenwende‘ gefeiert. Wie froh sind wir, für diese entscheidenden Nächte eine Bleibe zu haben! Netterweise erklärte der Englisch sprechende Mann am Telefon noch, dass wir ja in der Nacht vom 23./24.6. kommen wollten, da wäre es dann aber laut, weil überall Feuerwerk wäre und tüchtig gefeiert würde!  Darauf freuen wir uns doch! So, der Teil war also geschafft. Jetzt hatten wir Zeit, durch die Innenstadt zu bummeln,

20170619_202022

Weltkulturerbe

bei ‚Werner‘ eine Auswahl des leckeren Kuchens zu treffen, auf der Terrasse eines Lokals direkt neben der alten Universität Suppe und Salat zu geniessen und schliesslich noch im ‚gunpowder-cellar‘ das Hausbier und den in Estland viel getrunkenen Cider zu probieren. Und überall noch die feiernden jungen Leute mit Familien. Tartu hat sich uns sehr lebenwert eingeführt! Der späte Heimweg bei immer noch scheinender Sonne um 22:30 Uhr führte uns wieder durch neue alte Strassen, und rechtschaffen müde fielen wir ins Bett.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s